Offener Brief von Sabine Teng, Pressesprecherin der ZeroCovid-Kampagne an das Institut der deutschen Wirtschaft: Sie gehen über Leichen – Profit ist nicht wichtiger als Menschenleben! Treten Sie zurück, Herr Hüther!

Herr Hüther, als Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft sind Sie zum Thema Pandemie regelmäßig in den Medien. Nun haben Sie ein eigenes Konzept zum Umgang mit Corona vorgestellt. Was würden vernünftige Menschen fordern, wenn mehr als 60.000 Menschen eines Landes, weltweit mehr als 2 Millionen an einer vermeidbaren Krankheit gestorben sind? Klare Gegenmaßnahmen einleiten – innovative Konzepte, die das Sterben möglichst schnell und nachhaltig beenden. Was jedoch schlagen Sie als einer der führenden deutschen Wirtschafts-Vertreter vor? Sie plädieren nicht nur für ein “Weiter so” dieser gescheiterten Politik des “Flatten the curve”, sondern sogar für eine “neue Normalität”, in der zahllose weitere Tote aktiv in Kauf genommen werden. Dies entnehmen wir Ihren Sätzen: „Die vollständige Eliminierung des Virus wird in unserer offenen Gesellschaft nicht gelingen. Deshalb müssen wir ein gewisses Gesundheitsrisiko und leider auch eine gewisse Sterblichkeit hinnehmen, um dauerhaft zur Normalität zurückkehren zu können.“ (Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/article226501327/IW-Studie-Das-ist-die-Alternative-zu-No-Covid.html).  Bereits vor einigen Tagen hatten Sie Ihre menschen- und lebensfeindliche Haltung herausposaunt: „Es gibt keinen absoluten Lebensschutz” war damals Ihr Einwand gegen die #ZeroCovid-Kampagne (Quelle: https://www.wiwo.de/politik/deutschland/corona-strategie-zero-covid-und-no-covid-der-unterschied-zwischen-null-und-nichts/26856468.html). 

Herr Hüther, ich will keine voreiligen Urteile fällen. Vielleicht sind Sie kein radikaler Sozialdarwinist, und sicher wollen Sie keiner Eugenik das Wort reden. Sie leben aber offensichtlich in einer Gedankenwelt, in welcher der Profit der von Ihnen repräsentierten Unternehmenswelt Vorrang vor dem Leben derer hat, die ihn erarbeiten – oder die gerade nach langer Arbeitsbiografie ihre Rente genießen. Uns haben in den letzten Tagen unter #CovidAtWork viele Berichte aus der Arbeitswelt erreicht von Menschen, denen HomeOffice verweigert wird, denen bei Einfordern von Hygiene-Konzepten mit Kündigung gedroht wird, von Schwangeren, die entgegen ärztlichem Rat Präsenz-Lehre machen müssen, oder von Angehörigen von Risikogruppen, die im Großraum-Büro sitzen müssen (Quelle: https://zero-covid.org/pressemitteilung-vom-10-2-2021).

Um es klar zu sagen: Sie spucken diesen Menschen mit Ihren Aussagen ins Gesicht. All den Angestellten und Arbeiter*innen, die sich Tag für Tag für ihre Chefs großen Gesundheitsgefahren aussetzen. Die sich aufgrund schlechter Hygienemaßnahmen im Betrieb Corona-Infektionen mit schweren Folgeschäden, Nierenerkrankungen etwa, zugezogen haben. Oder die unter ständiger Ansteckungsangst leiden, weil sie nicht von Zuhause arbeiten dürfen. Sie spucken aber insbesondere denen ins Gesicht, die an Corona schwer erkrankt sind oder noch erkranken werden. Denen, die aktuell auf den Intensivstationen liegen. Den Millionen Verstorbenen weltweit. Und den Angehörigen und Freund*innen der Verstorbenen, die in tiefer Trauer um den Verlust dieser unwiederbringlich verlorenen Menschenleben sind.

Sie haben zynischerweise auf das hohe Alter der meisten Corona-Toten verwiesen. Offenbar sind Ihnen Menschenleben nur dann etwas wert, wenn Sie Wert schaffen – Wert und Profit für die deutschen Unternehmen. Sie gehen damit buchstäblich über Leichen! Profit ist aber nicht wichtiger als das menschliche Leben. Herr Hüther, ich fordere Sie auf: Beenden Sie Ihre menschenfeindliche Propaganda. Übernehmen Sie Verantwortung und treten Sie mit sofortiger Wirkung zurück! 

Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Teng, Pressesprecherin bei der ZeroCovid-Kampagne 

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