PM: Gesundheitsministerkonferenz ohne Schutzkonzept für alle Menschen – Kinder bedroht, globale Impfstoffversorgung gefährdet

  • Gesundheitsminister*innenkonferenz ohne Konzept für einen Ausweg aus der durch Drittimpfungen verschärften globalen Mangelversorgung mit Impfstoffen
  • Nur Niedriginzidenzstrategie schützt Unter-12-Jährige, Immungeschwächte und trotz Impfung erkrankende Risikogruppen
  • Durch globale Umverteilung an Risikogruppen retten Impfstoffe hundertfach mehr Leben

Gestern beschloss die Gesundheitsministerinnenkonferenz die Auffrischimpfung für Vektorgeimpfte. Hierzu kommentiert Krissie Müller aus der Kampagne Zero Covid: „Die GMK ignoriert die Warnungen der WHO, dass die massenhafte Drittimpfung die Versorgungsengpässe längerfristig massiv verschärft.1https://www.devex.com/news/covid-19-vaccine-boosters-may-have-huge-impacts-on-global-supply-100506 Vgl. auch die Fachstellungnahme von Ärzte ohne Grenzen gegen massenhafte Auffrischungsimpfungen: https://msfaccess.org/msf-no-covid-19-booster-shots-anywhere-healthcare-workers-and-vulnerable-people-everywhere-have Milliarden Menschen warten noch auf ihre Erstimpfung. Längst hätten zumindest alle Über-50-Jährigen auf der Welt ein Impfangebot bekommen können. Doch aufgrund der ungerechten Verteilung ist die ältere Bevölkerung in Myanmar, Tunesien, Vietnam, der Ukraine, dem Iraq oder Botswana dem derzeitigen Wüten der Pandemie schutzlos ausgesetzt. Der Einsatz der knappen Impfdosen in diesen Ländern könnte kurzfristig hundertfach mehr Leben retten als die Impfung junger gesunder Menschen in Deutschland. Doch das Überleben von Risikogruppen in ärmeren Ländern gilt den Gesundheitsminister*innen nicht als Priorität.“

„Die Gesundheitsminister*innen erklären den Infektionsschutz zur Privatsache. Mit dem ausgeweiteten Angebot für alle 12–17-Jährigen meinen sie, die Pandemie wäre erledigt“, ergänzt Sabine Teng. „Diese Strategie geht auf Kosten von Menschenleben im Globalen Süden, aber auch die unter-12-jährigen Kinder, Immungeschwächte und trotz Impfung erkrankende Menschen aus Risikogruppen in Deutschland werden der Durchseuchung ausgeliefert. Nur niedrige Inzidenzen ermöglichen wirksamen Schutz für alle, verhindern weitere Mutationen und sichern den Impferfolg.“

„Die Priorisierung der Risikogruppen muss endlich global berücksichtigt werden. Die USA haben in den letzten Wochen 24 Millionen Impfdosen allein ans Weltimpfprogramm COVAX gespendet. Wann zieht Deutschland nach?“, fragt Jonathan Schmidt-Dominé. „Der Verteilungskampf um die lebensrettenden Dosen wäre jetzt nicht so hart, wenn Europa frühzeitig mehr Kapazitäten aufgebaut hätte. Die in Zukunft auch zum Schutz vor Virusvarianten benötigten Impfauffrischungen zeigen, wie dringend notwendig es ist, dass BioNTech das mRNA-Schulungszentrum der WHO in Südafrika unterstützt, um für das kommende Jahr allen interessierten Herstellern weltweit die Produktion zu ermöglichen.“

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