#Schichtgeschichten 11 #CovidAtWork – Kitas und Schulen

Heute veröffentlichen wir #CovidAtWork Berichte aus Kitas und Schulen. Leider zeichnet sich mit den Schulöffnungen und der beginnenden dritten Welle eine ungute Entwicklung der Pandemielage ab. In den Berichten, die uns in den letzten Wochen erreicht haben, erzählen unsere Unterstützer:innen von fehlenden Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in den Kitas und Schulen. Viele schreiben, dass sie sich am Arbeits- oder Ausbildungsort nicht ausreichend geschützt fühlen. Ein Zitat eines Erziehers fasst die schwierige Lage gut zusammen: “Ich mache den Eltern keinen Vorwurf, dass sie ihre Kinder bringen, nur ein solidarischer Lockdown würde ermöglichen, dass wir alle zuhause bleiben ohne uns und andere in Gefahr zu bringen. Und die Kinder von medizinischem Fachpersonal würde ich selbstverständlich gerne beaufsichtigen.” Wir dokumentieren die Berichte unten in voller Länge, den Anfang machen die Geschichten aus der Kinderbetreuung.

Bericht einer Erzieherin aus Berlin: Bei uns ist es mittlerweile gang und gäbe, dass ein positiv getestetes Kind keinerlei Konsequenzen für unsere Einrichtungen nach sich zieht, solange schon über 48h seines letzten Besuchs zurückliegen! Keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat! Hatten schon mehrere Fälle – positive Kinder–, wo wir Montag morgen erfahren haben, dass Kind X positiv (so auch Mutter, Schwester etc.) ist, aber da es die Woche davor Donnerstag oder Freitag zuletzt da war, ist rein gar nichts passiert. Aufgrund dieses Vorgehens des Gesundheitsamtes haben sich schon zwei Kolleginnen eine Corona-Infektion eingefangen. Witzigerweise wurden wir, als dann Erzieher positiv waren, in Quarantäne gesteckt… Des weiteren gab es auch schon Fälle bei uns, in denen Familienmitglieder der Kinder positiv getestet wurden, die Kinder auch Symptome entwickelten, aber nicht getestet, sondern direkt in Quarantäne gesteckt wurden, damit dann nämlich nix in irgendwelche Statistiken einfließen kann, die wohlmöglich noch mehr bestätigen würden, dass es sehr wohl und jede Menge Infektionen unter den Kindern gibt, die sich so natürlich auch nicht mehr nachvollziehen lassen können.

Ich möchte euch auch gern teilhaben lassen: Ich arbeite in einer Kita, aktuell sind 70 von 107 Kindern da. Dazu kommen 21 Kolleg*innen. Die U2 Gruppe wurde letzte Woche geschlossen, weil eine Kollegin positiv ist. Alle Kinder aus der Gruppe sind in Quarantäne. Ihre Geschwisterkinder aus anderen Gruppen werden weiterhin gebracht.

Ich bin Erzieher in einer Kita. Während in den Medien so getan wird, als hätten wir geschlossen, bzw. wären im Notbetrieb, haben wir regulär geöffnet. Von 75 Kindern kommen aktuell 60. Diese verteilen sich auf 4 Gruppen. Kinder und Personal der jeweiligen Gruppen sollen sich nicht überschneiden, aber benutzen die gleichen Garderoben. Eltern und Kinder treffen sich in ihrer Freizeit gruppenübergreifend zum Spielen. OP- und FFP2-Masken wurden erst nach mehrfachem Nachfragen gestellt. Im Gespräch mit der Leitung wurde mir gesagt, wie wichtig es für Kinder ist, dass sie auch Gestik und Mimik von Erzieher*innen sehen und dass meine Angst übertrieben wäre und zu hoffen bleibt, dass sich das nicht auf Kinder und Kolleg*innen abfärbt. 
Dabei tue ich nicht mehr als das, was das Gesundheitsamt empfiehlt: Ich trage FFP2-Maske (Atempausen mit Abstand sind nicht möglich und werden nicht ermöglicht, weil das Tragen auf Freiwilligkeit beruht), lüfte regelmäßig und desinfiziere nach dem Essen die Tische…
Ich mache den Eltern keinen Vorwurf, dass sie ihre Kinder bringen, nur ein solidarischer Lockdown würde ermöglichen, dass wir alle zuhause bleiben ohne uns und andere in Gefahr zu bringen. Und die Kinder von medizinischem Fachpersonal würde ich selbstverständlich gerne beaufsichtigen.

Bericht einer Mitarbeiterin einer Kinderbetreuung: Alle freuen sich über die Öffnung der Schulen. Alle? Eine kleine Berufsgruppe mit viel Verantwortung vielleicht etwas weniger. Als ArbeitnehmerInnen einer Kinderbetreuungseinrichtung in einer österreichischen Stadt, werden die über 400 MitarbeiterInnen trotz Öffnung der Schulen in Kurzarbeit geschickt. Zu verlockend sind die Förderungen, die für die Kurzarbeit ausgeschüttet werden. 
Bedingt durch die Kurzarbeit leidet sowohl die Sicherheit als auch die Qualität der Nachmittagsbetreuung. Am Nachmittag gelten die Hygieneregeln des Vormittags nicht mehr. Kinder verbleiben nicht im Klassenverband, es wird gemischt und verteilt, um ja die Höchstzahl von 25 Kindern pro Gruppe und BetreuerIn zu erreichen. Abstandsregeln? Negativ! Kontaktminimierung? Negativ!
Die Schule ein sicherer Ort? Am Vormittag mag das stimmen, am Nachmittag stimmt es definitiv nicht!

Ich arbeite als Tagesmutter von Zuhause aus. Meine Tochter geht eigentlich in die zweite Klasse, meine andere Tochter ist zwei. Beide betreue ich momentan zuhause.Aktuell betreue ich vier fremde Kinder. Ein Elternteil ist in Elternzeit zuhause und die anderen, da arbeitet ein Elternteil immer im Homeoffice. Ich könnte eine Maske tragen und meine 7-Jährige auch, aber die 2-Jährige? Ich bin wirklich sehr enttäuscht über den Schutz der Erzieher.

Ich arbeite in einer Kita. Natürlich geben sich die meisten Mühe. Trotzdem erlebe ich immer wieder Eltern, die ihre Masken abziehen um sich von den Kindern zu verabschieden. Und keinen Abstand in der Mittagspause, weil es nur einen Raum gibt. Uns wird Abstand gepredigt, aber wo soll ich im Winter meine Pause machen? Am besten löse ich mich dafür in Luft auf.

In den Schulen sieht es leider nicht besser aus. Viele fühlen sich bei der Arbeit nicht geschützt oder sorgen sich um Schüler:innen und Kolleg:innen.

Lehrerin, schwanger. Der Amtsarzt empfiehlt ausdrücklich, dass ich weder mit Kindern und Jugendlichen noch irgendwie im Präsenzbetrieb eingesetzt werden soll. Die Schulleitung plant mich für Kleingruppen vor Ort sowie für Sekretariatsaufgaben ein. Viele Leute im kleinen Sekretariat und die eigentliche Sekretärin trägt selten Maske.

Ich arbeite als Erzieher in der Notbetreuung. Der Klassenraum, in dem ich derzeit arbeite, hat nicht ein einziges Fenster, das sich mehr als kippen lässt – ergo ist stoßlüften unmöglich. Dazu kommt, dass vielen Kolleg*innen offenbar nicht bewusst ist, dass Kipplüften nicht ausreicht und glauben, ihr subjektives Kältegefühl sei wichtiger als der Infektionsschutz. Daraus möchte ich gar keinen Vorwurf an die Kolleg*innen machen, sondern an eine komplett fehlende Unterweisung in den Infektionsschutz. Wir haben fast kein Flächendesinfektionsmittel, und wenn nur solches, das gegen Bakterien hilft – gleichzeitig sollen wir aber ständig alles desinfizieren, dass die Kinder angefasst haben. Dass ganze vor dem Hintergrund, dass Erzieher*innen zu den Berufsgruppen mit dem höchsten Infektionsrisikio gehören!
Achja: Die Kommune möchte außerdem die Zahl der Reinigungskräfte von derzeit 4 auf 3 kürzen. Kein Scherz.

Hallo ich habe auch eine Geschichte. Ich bin Lehrerin an einem SBBZ Lernen (früher Förderschule genannt) in Baden-Württemberg. Ich unterrichte in der Grundstufe (Kl. 1-4). Es geschah vor Weihnachten, Anfang Dezember. Nach der Mittagspause im Kochunterricht roch ich plötzlich nichts mehr. Am nächsten Morgen ließ ich mich zusammen mit meinem Mann testen. Wir waren positiv. 
Auch in dieser Situation wurde meiner Schulleitung von Vorgesetzten gesagt, dass die Kleinen ja nicht so ansteckend seien. Bis HEUTE haben wir keine FFP2 Masken. Also eine Zeit lang dachten wir, wir hätten welche, bis sich herausstellte dass das Schulamt uns unzertifizierte Masken schickte???!! Das war schon empörend, noch wütender wurde ich, als ich erfuhr dass die pseudosicheren Masken gar nicht für uns Grundschul-Lehrkräfte waren, sondern nur für die Sek1-Lehrkräfte waren. Denn die Kleinen sind ja nicht ansteckend! Meine Schulleitung versuchte vor Weihnachten verzweifelt eine Schulschließung zu erwirken, weil mehr und mehr Lehrkräfte und SchülerInnen infiziert waren und wir überhaupt nicht absehen konnten, wer am nächsten Tag dran ist. Die einzige Sorge des Schulamts waren Regressansprüche der Eltern. Niemals ging es um unsere Gesundheit!
Ich bin noch recht neu im Schuldienst und liebe meinen Job, niemals hätte ich gedacht, dass mein Arbeitgeber derartig auf mich scheißt (Entschuldigt die Ausdrucksweise).Ich hatte großes Glück, weil ich (und übrigens auch mein Mann, den ich angesteckt habe) wieder gesund sind. Von meinen Kolleginnen leiden zwei unter Langzeitfolgen, die eine riecht und schmeckt bis heute nichts, die andere leidet unter Schwächeanfällen und Herzrasen. Zum Glück sind Kinder ja nicht ansteckend. Danke Herr Kretschmann und Frau Eisenmann 😡

Ich arbeite als Förderschullehrerin in Baden-Württemberg. Hier sind die Förderschulen mit den Schwerpunkten Geistige und körperliche und motorische Entwicklung seit dem 11. Januar 2021 wieder geöffnet. In einer der letzteren arbeite ich. Wir haben keinen Wechselunterricht und da wir viele Helfer*innen in den Klassen haben, sind in meiner Klasse zum Beispiel zusätzlich zu meinen 6 Schüler*innen noch mindestens drei Erwachsene neben mir.
Viele unserer Schüler*innen gehören zur Risikogruppe. Von den 6 Schüler*innen meiner Klasse tragen vier eine Maske, zwei tolerieren keine Maske. Aber auch die vier, die eine Maske tragen, können sie nicht alle selbstständig anlegen, sondern brauchen Hilfe dabei, sodass wir ihnen nahe kommen müssen. Viel was wir mit den Schüler*innen machen passiert mit Handführung, wir geben Essen und machen Pflege. Wir können keinen Abstand halten.
Meine Kolleg*innen und ich müssen parallel zum Präsenzunterricht auch noch den Fernunterricht für die Kinder machen, die aktuell zuhause bleiben (ca 1/3 unserer Schülerinnen und Schüler). Jeden Tag treibt uns die Angst um, dass wir unsere Schüler*innen nicht ausreichend schützen können oder im schlimmsten Fall sogar für eine Übertragung verantwortlich sein könnten.
In meiner Klasse gab es in der letzten und in der vorletzten Woche einen Corona-Verdachtsfall. Da hatten wir Glück und es hat sich nicht bestätigt. In einer anderen Klasse aber gibt es gerade zwei positive Fälle. Wie lange haben wir noch Glück? Ich bin müde und mürbe.

Auch in den Berufsschulen sieht es nicht gut aus. Manche Schüler:innen wünschen sich Onlineunterricht statt Wechselunterrichts-Chaos. Aber es regt auch dazu an, diese Zustände verändern zu wollen, wie dieser Bericht zeigt:

Ich bin in der Ausbildung zum Chemielaboranten. Unsere Ausbildung findet im Blockunterricht statt. Heute hat mal wieder ein Block begonnen. Nachdem wir im November quasi Probanden für einen Testversuch waren, nämlich mit der kompletten Klasse (zweistellige Schüler-Anzahl) im Präsenzunterricht zu sitzen, dürfen wir jetzt Wechselunterricht kennenlernen. Das bedeutet, dass unsere Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt wurde, jede hat abwechselnd Präsenz- und Onlineunterricht. Zusätzlich dazu sollen laut Schulhomepage beide Kleingruppen Mittwochs in Präsenz beschult werden, von der gleichen Lehrkraft aber in zwei verschiedenen Räumen. Allerdings haben wir heute widersprüchliche Angaben dazu bekommen. Auch wie der Onlineunterricht eigentlich ablaufen soll, wissen wir nicht: manche Lehrer:innen machen für jede Kleingruppe in Präsenz das gleiche, manche laden auf eine Plattform Aufgaben hoch und überprüfen zusätzlich die Anwesenheit zur Schulzeit, wiederum andere streamen den Unterricht live. Dass das technische Equipment in der ohnehin schon baufälligen Schule seit 10 Jahren nicht mehr modern ist, sollte klar sein. Dass nicht jeder Schüler einen von der Firma gestellten Laptop hat ebenfalls. Lüften bei den momentanen Temperaturen, konstant FFP2-Maske tragen, Lehrer:innen die schwurbeln und was von positiv sehen, drauf schei*en etc. erzählen und gestaffelte Pausen, die für große Unterrichtsunterbrechungen sorgen, setzen dem ganzen noch das i-Tüpfelchen auf. Um uns anständig auf unsere Abschlussprüfungen vorzubereiten brauchen wir keine intransparenten Unerrichtsmodellabenteuer, sondern #ZeroCovid. Onlineunterricht mit der ganzen Gruppe zu festen Zeiten funktioniert auch für Abschlussklassen und definitiv besser als sowas. Von dem kaum minimierten Infektionsrisiko an Schulen ganz zu schweigen. Auch die Lehrkräfte sind dadurch mehrbelastet und das hat sich heute schon nach insgesamt sechs Kalenderwochen schon gezeigt. Um dort etwas zu verbessern, möchte ich in meiner Gewerkschaftsjugend #ZeroCovid zum Thema machen.

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